Research Academy for Exercise Sciences e.V. – Gesundheit & körperliche Aktivität
Wissenschaftliche Stellungnahmen · WHO · RKI · DKFZ · ESC · 2020–2025
150 Min.
moderate Aktivität pro Woche — WHO-Mindestempfehlung für Erwachsene
~45 %
der Erwachsenen in Deutschland erfüllen die Ausdauerempfehlungen (RKI/GEDA)
20–30 %
Reduktion des Brust- und Darmkrebsrisikos durch regelmäßige Bewegung (DKFZ)

Institutionelle Positionen

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WHO
Weltgesundheitsorganisation (WHO)
Global — Leitlinien 2020: Physical Activity & Sedentary Behaviour

Körperlich aktiv zu sein ist entscheidend für Gesundheit und Wohlbefinden — es kann dem Leben mehr Jahre und den Jahren mehr Leben bringen.

Tedros Adhanom Ghebreyesus, WHO-Generaldirektor, 2020
Kinder & Jugendliche (5–17 J.)
≥ 60 Min./Tag, moderat bis intensiv; 3×/Woche knochenbelastend
Erwachsene (18–64 J.)
150–300 Min./Woche moderat oder 75–150 Min. intensiv
Krafttraining
≥ 2× pro Woche, alle großen Muskelgruppen, moderate Intensität
Ältere (≥ 65 J.)
Zusätzlich: Gleichgewicht & Koordination, mindestens 3×/Woche
Schwangere (ohne Kontraindikationen)
≥ 150 Min./Woche moderate aerobe Aktivität + muskelkräftigende Übungen; Beckenbodentraining täglich
Chronisch Kranke & Menschen mit Behinderung
Empfehlungen orientieren sich an der jeweiligen Altersgruppe; Rücksprache mit Fachpersonal; jede Bewegung besser als keine

Wichtigste Neuerung 2020: Erstmals wurden explizite Empfehlungen zur Reduktion von Sitzzeiten aufgenommen. Langes, ununterbrochenes Sitzen gilt seither als eigenständiger Risikofaktor — unabhängig davon, ob die Bewegungsempfehlungen insgesamt erfüllt werden.

Die WHO betont: Ausdauer- und Krafttraining haben komplementäre Gesundheitseffekte. Das Motto lautet: „Jede Bewegung zählt."

Übergeordnetes Ziel: Reduktion körperlicher Inaktivität weltweit um 15 % bis 2030 (WHO Global Action Plan on Physical Activity).

AusdauertrainingKrafttrainingSitzverhaltenAlle AltersgruppenSchwangereChronisch Kranke
RKI
Robert Koch-Institut (RKI)
Deutschland — Gesundheitsmonitoring GEDA, KiGGS, RKI-Panel 2024

Wer regelmäßig körperlich aktiv ist, kann damit das allgemeine Wohlbefinden und die körperliche, psychische und soziale Gesundheit steigern sowie das Herz-Kreislaufsystem und die Entwicklung des Muskel-Skelettsystems stärken.

Robert Koch-Institut, Themenschwerpunkt Körperliche Aktivität
Erwachsene in Deutschland
Nur ca. 45 % erfüllen die WHO-Ausdauerempfehlung (GEDA-Daten)
Kinder & Jugendliche
Bewegungszeugnis-Note: 4 – in der Kategorie körperliche Aktivität (2022)
COVID-19-Effekt
Inaktivität bei Kindern und Erwachsenen deutlich gestiegen; Monitoring zeigt noch keine vollständige Erholung
Soziale Determinanten
Einkommensschwache Gruppen sind signifikant häufiger inaktiv; Ungleichheit als Public-Health-Priorität
Aktives Monitoring (seit 2024)
RKI-Panel „Gesundheit in Deutschland" — kontinuierliche epidemiologische Erhebung mit über 40.000 Teilnehmern; löst GEDA, DEGS und KiGGS als Primärstudie ab

Das RKI erhebt und analysiert bevölkerungsweite Daten zum Aktivitätsverhalten in allen Lebensbereichen (Freizeit, Arbeit, Transport) und entwickelt auf Basis der WHO-Empfehlungen entsprechende Erhebungsinstrumente und Public-Health-Strategien.

Positionspapier 2025: „Gesund unterwegs — Aktive Mobilität als Gesundheitsressource" betont das Potenzial von Alltagsaktivitäten als niedrigschwellige Gesundheitsförderung.

EpidemiologieGesundheitsmonitoringPublic HealthSoziale UngleichheitAktive MobilitätGEDA/KiGGS
DKFZ
Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ)
Heidelberg — Krebsprävention, Survivorship & Lebensstilforschung

Regelmäßige Bewegung muss kein Leistungssport sein. Auch Alltagsbewegungen wie Spazierengehen oder Treppen steigen statt Aufzug fahren wirken sich positiv auf die körperliche Gesundheit aus.

Prof. Dr. Dr. h.c. Michael Baumann, Vorstandsvorsitzender DKFZ, Nationale Krebspräventionswoche 2024
Krebsrisiko durch Inaktivität (DE)
~6 % aller Krebsneuerkrankungen in Deutschland gehen auf Bewegungsmangel zurück
Risikoreduzierung (Primärprävention)
Brust- und Darmkrebs: 20–30 % Risikoreduktion durch regelmäßige Aktivität
Aktivitätsempfehlung
≥ 150 Min./Woche moderat oder 75 Min. intensiv — international weitgehend einheitlich
Tertiärprävention (Onkologie)
Bewegungstherapie verbessert Lebensqualität, mildert Fatigue und Therapienebenwirkungen nachweislich
Gesamtvermeidbarkeit von Krebs (DKFZ-Schätzung 2018)
Mindestens 37 % aller Krebsneuerkrankungen in Deutschland gehen auf beeinflussbare Risikofaktoren zurück. Rauchen bleibt mit ~19 % der wichtigste Einzelfaktor.

Mechanismus: Körperliche Aktivität schützt vor Krebs nicht ausschließlich über Gewichtsreduktion, sondern auch über eigenständige physiologische Wege — u. a. Regulation von Sexualhormonen, Insulinsensitivität, Immunaktivierung und systemische Entzündungsmarker.

Die Abteilung „Bewegung, Krebsprävention und Survivorship" untersucht in zahlreichen klinischen Studien (u. a. BENEFIT, EFFECT, NaKo) die Effekte von Training vor, während und nach Krebstherapien.

KrebspräventionSurvivorshipKrebsbedingte FatigueNaKo-StudieBrustkrebsDarmkrebs
ESC
European Society of Cardiology (ESC)
Europa — Sports Cardiology Guidelines 2020, European Heart Journal 2021

Regelmäßige körperliche Aktivität ist ein wichtiger Therapiebestandteil für die meisten kardiovaskulären Erkrankungen und ist mit reduzierter kardiovaskulärer und Gesamtmortalität assoziiert.

ESC Guidelines on Sports Cardiology and Exercise in Patients with CVD, European Heart Journal, 2021, Vol. 42
Allgemeine Bevölkerung
150 Min. moderat oder 75 Min. intensiv pro Woche — deckungsgleich mit WHO
Herzinsuffizienz (stabil)
Klasse-I-Empfehlung für strukturiertes Bewegungstraining — unabhängig von der Ejektionsfraktion
Risikoschichtung
Vor Sportaufnahme bei CVD individuelle kardiale Risikobewertung; meist Ausdauer + moderates Krafttraining
Adhärenz in der Praxis
Nur ~1/3 der Hochrisikopatienten erfüllt ESC-Empfehlungen (CoLaus-Studie, Lausanne 2024)
Besonderheit: Freizeitsportler mit CVD
Die ESC-Leitlinien 2020 adressieren explizit Freizeitsportler — diese Gruppe hat höhere Prävalenz atherogener Risikofaktoren als Leistungssportler.

Die ESC Sports Cardiology Guidelines 2020 sind die ersten ihrer Art — mit spezifischen Empfehlungen zur Sportteilnahme für Personen mit kardiovaskulären Erkrankungen.

Kernbotschaft: Bewegungsangst ist eine der größten Barrieren für Herzpatienten. Ärztliche Aufklärung und strukturierte kardiale Rehabilitation sind entscheidend, um diese Barriere zu überwinden.

KardiologieHerzinsuffizienzSportskardiologieKardiale RehabilitationRisikoschichtungFreizeitsport

Empfehlungen im Vergleich

InstitutionAusdauer (Minimum)KrafttrainingPrimärer Fokus
WHO150–300 Min./Woche moderat oder 75–150 Min. intensiv≥ 2×/WocheAlle Altersgruppen, globale Gesundheitsförderung
RKIWHO-Standard (Referenzrahmen für DE-Monitoring)WHO-StandardPrävalenz, epidemiologisches Monitoring, soziale Ungleichheit
DKFZ≥ 150 Min. moderat oder 75 Min. intensivEmpfohlenPrimäre Krebsrisikoreduktion, Therapiebegleitung
ESC150 Min. moderat oder 75 Min. intensivModerat empfohlenKardiovaskuläre Therapie, individuelle Risikoschichtung

Gemeinsamer Konsens

Übereinstimmende Positionen aller vier Institutionen
Was WHO, RKI, DKFZ & ESC gemeinsam sagen
01
150 Minuten moderate Aktivität pro Woche sind das evidenzbasierte Mindestmaß — mehr ist mehr, aber selbst wenig Bewegung bringt messbare Vorteile.
02
Jede Bewegung zählt — auch Alltagsaktivitäten wie Treppensteigen, Gehen und Radfahren tragen zur Gesundheit bei und sollten gefördert werden.
03
Sitzzeiten aktiv reduzieren — körperliche Inaktivität und langes Sitzen sind eigenständige Risikofaktoren, unabhängig vom Gesamtaktivitätslevel.
04
Ausdauer + Kraft kombinieren — beide Trainingsformen haben komplementäre Gesundheitseffekte; ein modernes Gesundheitstraining umfasst beide Elemente.
05
Chronisch Kranke und Ältere profitieren besonders — körperliche Aktivität ist für nahezu alle Bevölkerungsgruppen wirksam und sollte individuell angepasst werden.
06
Strukturelle Rahmenbedingungen sind entscheidend — individuelle Verhaltensänderung allein reicht nicht; Politik, Infrastruktur und Gesundheitssystem müssen Bewegung ermöglichen und fördern.

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